Für seinen Roman El temblor del héroe erhält Álvaro Pombo 2012 den Premio Nadal. Dieser Preis, der vom Verlag Destino vergeben wird, ist mit 18.000 Euro dotiert. Somit wurde Pombo nun sechs Jahre nach der höchstdotierten Auszeichnung vom Verlag Planeta im Jahr 2006 für La fortuna de Matilda Turpin nun auch mit dem ältesten spanischen Literaturpreis ausgezeichnet. Fehlt nur noch der prestigreichste, doch die Vergabe der Preise für schöngeistige Literatur ist in Spanien ein Thema, das höchst polemisch kommentiert wird.
Werfen wir stattdessen lieber einen Blick auf das Werk des mittlerweile 72 Jahre alten Schriftstellers und Dichters. Sein preisgekrönter Roman El temblor del héroe spielt wieder einmal im Universitätsmilieu. Die Hauptfigur ist ein emeritierter Professor, der im Ruhestand nichts besseres zu tun hat als über die Gleichgültigkeit in der Gesellschaft nachzusinnen. Klingt nicht gerade nach aktiver Lebensgestaltung. Schon eher für gepflegten Kulturpessimismus einer elitären Schicht aus einem bequemen Ohrenbackensessel heraus. Doch immerhin setzt sich der Plot bzw. der Autor gegen 300 MitbewerberInnen durch...
Álvaro Pombo García de los Ríos ( *1939 in Santander, Kantabrien) studierte an der Universidad Complutense Philosophie und lebte von 1966 -1977 aus politischen Gründen in London. Dort veröffentlichte er 1973 seinen ersten Gedichtband. Nach dem Ende der Diktatur Francos kehrte er nach Spanien zurück. Dort gewann er sogleich den Literaturpeis El Bardo für sein belltristisches Werk Variaciones. 1984 folgte der angesehene Premio Herraldo, der vom hochklassigen Verlag Anagrama vergeben wird. Pombo scheint ein Faible für Helden zu haben, denn der Siegertitel lautet El héroe de las mansardas de Mansard. Damit begründete der Verlag seine Reihe Narrativas Hispánicas de Anagrama und Pombo seinen Weg als wichtige Stimme der spanischen Gegenwartsliteratur.
Pombo ist ein profunder Kenner der mittelalterlichen Geschichte und fühlt sich zur phänomenlogischen Philosophie hingezogen. Dementsprechend sind auch seine Romanthemen verortet. Philosophisch motivierte Reisen in die Tiefen der menschlichen Psyche. Manchen sprechen auch von einem sehr subjektiven Weltbild, das in Pombos Werken zum Besten gegeben wird. Einem pessimistischen-intellektuellem Weltbild natürlich. Später finden auch etische Werte wie "das Gute" Eingang in das philosophische Schreiben Pombos, wie z.B. im Roman El metro de platino iridiado (1990), das - wie könnte es anders sein - sofort wieder mit dem Premio Nacional de la Crítica belohnt wurde. 2005 erhob er nochmals seine kritsch-warnende Stimme gegen die Trivialisiserung der Homosexualität zu Marketingzwecken.
Ein Jahr zuvor, 2004, wurde er auf Vorschlag von Luis María Ansón, Luis Mateo Díez und Francisco Rico in die Real Academia Española berufen und folgte damit Pedro Laín Entralgo nach.
Politisch aktiv ist er natürlich auch. Er sitzt schon in der zweiten Legislaturperiode für die Partei Unión Progreso y Democracia im Landtag der Comunidad de Madrid.
Sein neuster Roman liegt ab 2. Februar 2012 in den spanischen Buchläden auf. Auf deutsch liegen nur wenige Übersetzungen vor. Mutige Verlage waren Klett-Cotta mit Die Elle des Glücks
(Ansichtsexemplar bei Amazon) und Piper mit Der Held der Mansarden von Mansard
(ebenfalls Direktlink zu Amazon). Eine Ausnahme stellt der österreichische Verlag Stockmann dar, der Das ewig Weibliche
(wiederum der Link zu Amazon) herausbrachte - das einzige Buch immerhin, das noch nicht zu Ramschpreisen zu haben ist.