Pablo Tusset: Sakmura, Corrales und die lachenden Leichen
Montag, den 30. August 2010 um 07:22 Uhr
Administrator
Schräger Humor und viel mehr als ein komischer Krimiroman!
 (Bildmaterial: Frankfurter Verlagsanstalt)
Spanier, insbesondere die, die an der Mittelmeerküste groß geworden sind, haben einfach die bessere Haut. Kein Wunder also, dass die vielen Touristen, die die Strände bevölkern, mit dem dort heimischen Getier nicht so gut zurechtkommen und dies zwar selten, aber doch ab und zu mit dem Leben bezahlen. Doch schlecht scheint ihnen ihr Ableben nicht bekommen zu haben, denn die ausländischen Toten, die an der Costa Brava aufgefunden werden, haben alle ein geheimnisvolle und vielversprechendes Lächeln auf den starren Lippen.
Nur Inspektor Sakamura, japanischer Zenmeister, von Interpol geschickt, hat andere Vermutungen. Wie ist es zu erklären, dass der Präsident des katalanischen Parlaments, der viel zu viel zu schnell ißt und deshalb von starken Blähungen geplagt ist, die Ermittlungen der schrägen Kommissare Sakamura und Corrales um jeden Preis zu verhindern versucht? Doch die beiden kontern und engagieren die Agentin 69 mit ihren eindrucksvollen und sündhaft teuren erotischen Waffen.
Auch in Madrid tut sich was. Paquito, dem Chef der Zentralregierung, dämmert allmählich, dass in Katalonien irgendetwas faul ist. Der dickbäuchige und aufgeblasene Lehendakari Satrústegui weiß es auch, aber er stellt sich dumm. Die kühne Aktion eines baskischen-nationalistischen Separatistenkommandos entfesselt eine Kettenreaktion, die schließlich die nationale Sicherheit bedroht und sogar die Wirtschaftskrise zu einem Nebenschauplatz werden lässt.
Erst jetzt geben die Regierungsmitglieder ihre nonchalante sozialistische Haltung auf und sehen sich gezwungen, die Hilfe der leicht reizbaren Eusebia, der Ersten, Königin von Spanien in Anspruch zu nehmen. Seit Prinz Felipe abgedankt hat, weil er den Spott der Republikaner satt hatte und nun als Sänger-Songwriter sein Geld verdient - seine Frau Leticia zupft zu seinen Liedern die Bandurria - liegt das Schicksal der Nation in den Händen der Königin... doch auch Sakamura, Corrales und die Agentin 69 kämpfen immer noch für die Aufklärung der seltsamen Todesfälle und können am Ende dem krisengeschüttelten "nicht vorhandenen Spanien" wieder den Frieden bringen.
Übersetzt von Ralph Amann, deutsche Erstveröffentlichung bei der Frankfurter Verlagsanstalt 2010, 320 Seiten, 19.90 Euro.
Die Originalausgabe erschien 2009 bei Destino (Barcelona). 272 Seiten, 16.00 Euro.
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 30. August 2010 um 08:17 Uhr
Manuel Rivas: Los libros arden mal
Montag, den 23. August 2010 um 11:52 Uhr
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 (Manuel Rivas, 21. Mai 2010 Literatur-Musik-Performance: Los libros arden mal Foto: A. Kienberger)
Los libros arden mal (Bücher brennen schlecht) ist ein einzigartiges Klangkunstwerk. Lyrik, Prosa und Musik verschmelzen zu einem Kosmos von Erinnerungen bei dem es vor allem um Eines geht: Freiheit.
A Coruña ist der fast schon mythische Schauplatz der großen Erzählung, bestehend aus einer Vielzahl von Geschichten, die alle vom Willen nach Freiheit erzählen, der durch nichts zu bezwingen ist. Manuel Rivas verleiht denjenigen Protagonisten des 19. und 20. Jahrhunderts eine Stimme, die von der Geschichtsschreibung normalerweise nicht berücksichtigt werden, deren Erinnerungen und Erlebnisse aber Teil der kollektiven Erinnerung sind. Die Biographien der Menschen, die Literatur und die Sprache verdichten sich zu einer spannenden Reise in die Vergangenheit. Los libros arden mal ist ein außerordentliches Werk - repräsentativ für die ethischen und ästhetischen Wertvorstellungen Manuel Rivas.
Der galicische Schriftsteller, Dramenautor und Journalist (*1957) wurde dafür mit mehreren Preisen ausgezeichnet: Premio Cálamo Extraordinario 2006, Premio Libro del Año 2007, Premio Nacional de la Crítica en Gallego 2006. Diesen Preis erhielt Manuel Rivas bereits in den Jahren 1989 für Un millón de vacas und 1998 für O lapis do carpinteiro.
Der Roman Los libro arden mal erschien 2006 bei Alfaguara (616 Seiten, 22 Euro).
 (Foto: Alfaguara)
Auf Deutsch sind von Manuel Rivas bisher erschienen: In wilder Gesellschaft, Suhrkamp, 1998, 200 Seiten, 20.80 Euro. Der Bleistift des Zimmermanns, Suhrkamp, 2000, 168 Seiten, 8.95 Euro. Die Nacht, als ich auf Brautschau ging, Erzählungen, Suhrkamp, 2002, 158 Seiten, 7.99 Euro.
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 25. August 2010 um 16:59 Uhr
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Alberto Torres Blandina: Salvador und der Club der unerhörten Wünsche
Freitag, den 20. August 2010 um 08:10 Uhr
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Eine originelle Geschichte sehr gut erzählt - der Traum aller Leser, Verlage und Autoren. Alberto Torres Blandina ist dies mit 31 Jahren gelungen. Er entführt den Leser in eine Welt voller zufälliger Begegnungen, Gespräche zwischen Unbekannten und Geschichten, die unvollendet bleiben. Reisende am Flughafen eben, lediglich punktuelle Berührungen. Der einzige dauerhafte Bezugspunkt ist Salvador Fuensanta, angestellt als Reinigungskraft und kurz vor der Rente, ausgestattet mit dem beneindenswerten Talent, sich die Wirklichkeit nach seinm Geschmack zu formen. Er denkt sich Geschichten aus über die Reisenden, die meist in großer Eile am ihm vorbeilaufen. Manchmal gerät auch er in ihr Visier, z.B. als ihn eine Frau für einen früheren Geliebten hält. Die Verwechslung wird nicht aufgedeckt, um der Affäre ein "richtiges" Ende zu geben.
Salvador und der Club der unerhörten Wünsche ist ein witziges, ein skurriles Buch, das man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Es sprüht vor Lebensfreude und stimmt den Leser fröhlich.
Erschienen 2010 bei dva, übersetzt von Petra Zickmann, 224 Seiten, 16.95 Euro. Erhältlich auch als eBook für 13.99 Euro oder als Audio CD, gesprochen von Stephan Benson zum Preis von 19.95 Euro.
 (Foto: Deutsche Verlagsanstalt)
Unter dem Originaltitel Cosas que nunca ocurrirían en Tokio 2009 erschienen bei Belacqva (Barcelona). 168 Seiten,16.00 Euro. 2007 hatte er mit diesem Roman, damals unter dem Titel La posibilidad de Miia Hakala unter 397 Einsendungen den Literaturwettbewerb Las Dos Orillas gewonnen. Ausgerichtet wird der im Rhythmus von zwei Jahren stattfindende Wettbewerb vom Salón del Libro Iberoamericano de Gijón. Der Preis ist mit 10000 Euro dotiert. Es handelt sich hierbei um einen Sachpreis in Form einer Publikation in Spanien, Portugal, Italien, Griechenland und Venezuela.
Alberto Torres Blandina wurde 1976 in Valencia geboren. Er ist Autor, Dramaturg und Musiker. Weitere Publikationen: Das Kinderbuch El aprendiz de héroe, Madrid: Edelvives, 2009. 8.50 Euro. Niños rociando gato con gasolina (Siruela 2009). 17.90 Euro.
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 29. August 2010 um 09:00 Uhr
Europäischer Literaturkanon
Mittwoch, den 18. August 2010 um 07:08 Uhr
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"Europäischer Literaturkanon" heißt die Sommerserie, die seit 19. Juli 2010 im Deutschlandradio Kultur läuft. Europäische Schriftsteller stellen ein für sie herausragendes Werk eines anderen europäischen Autors vor und erläutern, warum sie das ausgewählte Werk fasziniert und worin für sie die Bedeutung des Schriftstellers besteht.
Der kroatische Verleger Nenad Popovic sprach am 11. August über das Buch "Was für ein schöner Sonntag" des spanischen Autors Jorge Semprun, erschienen 1981 bei Suhrkamp.
 (Foto: Suhrkamp Verlag)
Die katalanische Autorin Rosa Ribas stellt "Keine Kunst" des Ungarn Peter Esterhazy vor. Sendetermin: 18. August 2010, 14:07, Deutschlandradio Kultur.
Weitere Sendetermine: 24.8., 14.07 Uhr: Über "Familienlexikon" der Italienerin Natalia Ginzburg spricht die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse. 25.8., 11.07 Uhr: Über "Stern ohne Namen" des Rumänen Mihail Sebastian spricht der ungarische Autor György Dalos. 27.8., 14.07 Uhr: Über "Anna Karenina" des Russen Leo Tolstoi spricht die französische Schriftstellerin und Journalistin Pascale Hugues.
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 20. August 2010 um 13:51 Uhr
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Ramiro Pinilla
Dienstag, den 24. August 2010 um 16:00 Uhr
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 (Ramiro Pinilla 13. Oktober 2009 Foto: W. Erdel)
Ramiro Pinilla, 1923 in Bilbao geboren, zählt zu den herausragenden spanischen Schriftstellern der Gegenwart. 1960 erhielt er für seinen Roman Las ciegas hormigas, (Die blinden Ameisen, Deutsche Verlagsanstalt, 1963) den Premio Nadal und im Jahr darauf den Premio de la Crítica.
Danach zog er sich radikal vom Literaturbetrieb zurück, gründete einen eigenen Verlag und verkaufte seine Bücher zum Selbstkostenpreis auf der Straße in Bilbao. Die Reinheit seines Werkes ist ihm immer wichtiger gewesen, als Kompromisse zugusten der Verkaufszahlen einzugehen. Abseits von der Öffentlichkeit arbeitete Pinilla an seinem großen Thema: Die spanischen Vergangenheit der letzten einhundert Jahre, die baskische Mentalität, Tradition und Moderne, Schuld, Ideologie und persönliche Handlungsmöglichkeiten innerhalb der gesellschaftlichen Strukturen.
Ab 2004 veröffentlichte Pinilla bei Tusquets seine Trilogie Verdes valles, colinas rojas und erreichte einen fulminanten Erfolg. Zwei große baskische Familien stehen im Mittelpunkt, psychologisch gut ausgearbeitete Figuren, ein kleines Dorf als Mikrokosmos, fast ein mythischer Ort an dem sich die große Geschichte mit den Geschichten der Individuen verschränkt. Ramiro Pinilla ist ein großer Erzähler, der es vermag, dem Leser ein komplexes Universum zu eröffnen, Ideologien wie den baskischen Nationalismus einfach und verständlich zu machen, ohne jemals einseitig oder banal zu werden und mit Humor und Feinsinnigkeit jede einzelne Seite zum fesselnden Lesegenuss werden zu lassen. Er erhielt dafür den Premio Euskadi 2005 ebenso wie den Premio Nacional de la Crítica 2005 und den Premio Nacional de Narrativa en 2006.
Zum Glück für die Leserschaft zog sich Pinilla nicht wieder vom Literaturbusiness zurück, sondern veröffentlicht weiter beim gleichen Verlag. 2006 erschien La higuera und 2009 folgte Sólo un muerto más.
In Deutschland erschien 2008 Der Feigenbaum bei dtv und wurde von den Kritikern begeistert aufgenommen. Übersetzt hat Stephanie Gerhold. Die Übersetzung wurde durch das Spanische Ministerium für Kultur aus den Mitteln der Dirección General del Libro, Archivos y Bibliotecas gefördert.
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 24. August 2010 um 17:02 Uhr
Das Mittelmeer - Träume und Wirklichkeiten
Dienstag, den 17. August 2010 um 09:35 Uhr
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Das 9. Internationale Literaturfest "Poetische Quellen" von Ostwestfalen-Lippe findet von 26. bis 29. August 2010 im AQUA MAGICA Landschafts- und Kulturpark von Bad Oeynhausen und Löhne statt.
Der diesjährige Themenschwerpunkt liegt auf dem Mittelmeer und seinen angrenzenden Ländern. Das verspricht ein buntes Programm von Westeuropa nach Osteuropa und Nordafrika.
 (Foto: Antje Kunstmann Verlag)
Am Sonntagnachmittag unterhalten sich der spanische Schriftsteller Rafael Chirbes und seine Übersetzerin Dagmar Ploetz beim "Tischgespräch" über spanische Machenschaften zwischen Sonne und Meer. Sein Roman "Krematorium", erschienen im September 2008 im Verlag Antje Kunstmann (432 Seiten, 22 Euro) beschreibt vielschichtig und mehrstimmig die spanische Gesellschaft der Gegenwart: Besitzdenken, Umweltzerstörung, Bauspekulation, Korruption, Drogen und Sex als Ware. Hat Chirbes irgendein konsensfähiges Übel der Zivilisation ausgelassen? Ein fast trivialer kulturkritischer Rundumschlag, wäre der Text sprachlich nicht so feinsinnig, differenziert und ungemein fesselnd. Chirbes erhielt dafür 2007 den Premio Nacional de la Crítica.
Das Buch Das Mittelmeer des 2009 verstorbenen katalanischen Autors Baltasar Porcel verspricht eine stürmische Reise durch Zeiten und Kulturen. Übersetzt wurde die Kulturgeschichte des Mittelmeerraums von Kirsten Brandt. Erschienen im Transit Buchverlag, 400 Seiten, 24,80 Euro.
Weiter Stationen: Nizza - mon amour von Fritz J. Raddaz Rom: Der algerische Autor Amara Lakhous setzt Rom als Schmelztiegel in Szene und der italienische Autor Mario Fortunato stellt seinen Roman Unschuldige Tage im Krieg vor. Amalfi: Der Autore und Essayist Iso Camartin räsniert über die Ursachen und Auswirkungen unserer Sehnsucht nach dem Süden Durs Grünbein und Ingo Schulze treffen sich im "Autorengespräch" und sprechen nicht nur über Schulzes ErzählungenOrangen und Engel. Sizilien: Sängerin Etta Scollo Algerien: Geschichte der Freunschaft von Michael Roes, erschienen bei Matthes & Seitz, 320 Seiten, 22,90 Euro Griechenland: Petros Markaris Türkei: Feridu Zaimoglu Jerusalem: Der seit 1996 in Jerusalem lebende britische Kriminalromanautor Matt Beynon Rees hat mit seiner Figur des Omar Jussuf den ersten palästinensischen Detektiv in der Literatur geschaffen.
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 25. August 2010 um 17:00 Uhr
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